Wie bewerbe ich mich um ein Stipendium?

Ich denke, dass jeder Studierende sich vor und während des Studiums den ein oder anderen Gedanken darüber macht, wie man sich den Spaß überhaupt finanziert. Für die meisten kommt das Bafög infrage, für Studierende deren Eltern zwar die Mittel aber nicht den Willen dazu haben, ihre Kinder zu unterstützen, oder für diejenigen, die einfach gerne ein paar Mäuse extra haben, müssen Alternativen her, z.B. in Form eines Stipendiums. Doch der Bewerbungsprozess sei so mühselig, die Noten zu schlecht – viele Ausreden schieben die jungen Akademiker vor, um sich vor der eventuellen Enttäuschung zu bewahren. Doch ein Stipendium zu erhalten, bedeutet viel mehr als eine finanzielle Unterstützung. Die meisten Stiftungen öffnen Türen zu einem großen Netzwerk und interessanten Weiterbildungsmöglichkeiten.

Ein Zeit-Artikel, http://www.zeit.de/campus/2015/05/finanzierung-studium-stipendium-studienkredit, hat mich dazu motiviert, darüber zu schreiben, wie es ist, wenn man sich für ein Stipendium bewirbt. Ich habe mich bisher drei mal für ein Stipendium beworben. Das erste Mal für ein Erasmus-Stipendium für einen Auslandsaufenthalt an einer europäischen Uni, dann für eine zweiwöchige Summer School in den USA und zuletzt für eine zweijährige Förderung. Gut, jede dieser Bewerbungen war irgendwie mühselig. Man muss halt Zeit investieren, recherchieren und argumentieren. Es hat sich letztendlich jedoch gelohnt. Alleine zu lernen, wie der Bewerbungsprozess abläuft, ist eine Erfahrung. Doch wie geht man nun am besten vor?

1. Das passende Stipendium finden

Zunächst solltet ihr das passende Stipendium für euch finden. Neben den bekannten (parteinahen) Stiftungen oder der des Deutsches Volkes, gibt es viele kleine private Stiftungen, die sehr großzügige Stipendien vergeben. Diese haben oft den Vorteil, dass sie den Bafögsatz nicht beeinflussen. Suchen könnt ihr am besten hier: http://www.mystipendium.de/ oder https://www.stipendienlotse.de/. Schaut euch am besten auch mal genauer an eurer Uni um. Meistens werben viele Plakate für Stipendien für Studierende der Fächer, die auch bei euch gelehrt werden.

2. Empfehlungsschreiben besorgen

Eigentlich setzt jede Bewerbung ein oder zwei Empfehlungsschreiben voraus. Meistens müssen die von Professoren oder mindestens Promovierten stammen. Da dies bekanntlicher Weise eine Weile dauert, solltet ihr euch hier zuerst drum kümmern. Geht dafür am besten in die Sprechstunde, damit euch die Person, die euch empfehlen soll, vor Augen hat, wenn ihr euer Vorhaben vortragt und um ihre Unterstützung bittet.

3. Eine aussagekräftige, ehrliche und mutige Bewerbung schreiben

Erst nach der Kontaktaufnahme zu euren Profs widmet ihr euch der Bewerbung. Das Motivationsschreiben sollte die Antwort der Stipendiumsbeschreibung sein. Meistens verweisen die Stiftungen explizit darauf, was sie von euch hören möchten. Zum Beispiel wollen sie wissen, warum ihr euch für das Studium entschieden habt und warum ausgerechnet ihr ein Stipendium eben dieser bestimmten Stiftung erhalten wollt. Wichtig ist hierbei meines Erachtens, ehrlich und bodenständig zu bleiben. Aber eurer Schreiben sollte schon zeigen, dass ihr es wagt, etwas Riskantes zu sagen. Gerade wenn eurer Schreiben das Potential für eine Diskussion bietet, werdet ihr sicherlich zum Gespräch eingeladen. Hierbei sollte man jedoch nicht übertreiben. Die Stiftung erwartet schon von euch, dass ihr sie zukünftig in der Öffentlichkeit repräsentiert und somit dem Konzept oder den Ansichten der Stiftung nicht komplett widersprecht. Sollte dies der Fall sein, habt ihr noch nicht das passende Stipendium gefunden.

4. Abschicken

Und zwar rechtzeitig und komplett.

5. Das Bewerbungsverfahren vorbereiten

Wenn es ein Auswahlverfahren neben der schriftlichen Bewerbung gibt, dann besteht dieses meistens aus mehreren Teilen. Bei manchen Stiftungen schreibt ihr einen Aufsatz oder haltet eine Präsentation zu einem von euch ausgewählten Thema. Bei anderen nehmt ihr an einer Gruppendiskussion teil. Ganz sicher werdet ihr Einzelgespräche mit mehreren Personen der Jury führen müssen. Inhaltlich wird dort auf eurer Motivationsschreiben, euren Lebenslauf und auf eure Expertise bezüglich eures Studienfachs eingegangen. Generell ist auch wichtig, die Grundsätze der Stiftung zu kennen und erläutern zu können, warum man zu der Stiftung passt und inwiefern man diese ergänzen könnte.

6. Standhaft bleiben

Die Gespräche sind anstregend. Man hat Angst Fehler zu machen. Aber hier muss man sich einfach vor Augen halten, dass keiner perfekt ist. Die anderen Teilnehmer/innen sind in der gleichen Situation und vielleicht findet ihr in dem einen oder anderen einen neue/n Freund/in, unabhängig davon, ob ihr letztendlich das Stipendium erhaltet oder nicht.

7. Zuversichtlich sein

Ach ja, auch Profs freuen sich über ein kleines Dankeschön für das Schreiben ebenso wie eure Freunde, die alles Korrektur lesen mussten.

Ich glaube, das größte Problem mit den Stipendien ist, dass zu wenige sich trauen, sich überhaupt zu bewerben. Ihr seid nie zu jung oder zu alt, also legt los!

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