Warum wir hier sind

Warum gibt es diesen Blog?

Dieser Blog entsteht aus der Unzufriedenheit mit meiner Ausbildung zur zukünftigen Lehrerin heraus. An der Uni musste ich mich bisher mit komplexen Dingen wie dem Aufbau des Lautapparats (das ist das Ding, womit Menschen und andere Säugetiere Laute kreieren, die ihrer Kommunikation mit anderen Individuen dienen), der Nebensilbenabschwächung im Mittelhochdeutschen oder sämtlichen psychologischen, soziologischen oder pädagogischen Theorien zum Thema Schule auseinandersetzen. So sieht das Lehramtsstudium aus. Ich kenne kaum einen meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen. Ich halte die Klappe im Seminar, weil mich sonst 44 Augenpaare vor Wut anstarren und mir insgeheim den Vorwurf machen, was ich mir denn dabei denken würde, den Inhalt vertiefen zu wollen … DAS BRAUCHEN WIR DOCH NICHT FÜR DIE KLAUSUR! Aber eigentlich kommt es auch nicht zu oft vor, dass ich das Bedürfnis habe nachzufragen, weil das Seminar langweilig ist und Inhalte umfasst, die mir in meiner Persönlichkeitsentwicklung und auch meinem späteren Beruf nichts nützen. Ich bin davon überzeugt, dass wir uns als Lehrkräfte ein profundes Wissen aneignen müssen, aber ich sehe nicht ein, jedes Semester ein Seminar in Linguistik besuchen zu müssen, weil der Linguistikbereich unserer Uni vor einigen Jahren geschlossen werden sollte und deshalb unserem Fachbereich angegliedert wurde. Nicht nur, dass Schülerinnen und Schüler während ihrer Schulzeit vermutlich maximal die Bedeutung des Wortes „Linguistik“ kennenlernen werden, sondern auch, dass wir stattdessen dazu gezwungen sind, auf Literatur- aber besonders auf Grammatik- und Fachdidaktikseminare zu verzichten, nervt.

Meine Uni-Erfahrung

Ich studiere Sprachen. Und diese soll ich in einigen Jahren ungefähr 30 kleinen oder etwas größeren Menschen beibringen, die sich mit wesentlich wichtigen Dingen auseinanderzusetzen haben, wie z.B. dem Erwachsenwerden. Erwachsenwerden hat viel mit Nachdenken zutun und ist wohl von einer Frage besonders geprägt: Wer möchte ich sein? Auch das wird an der Uni nicht gelehrt. Für Kritisches Denken, die kritische Auseinandersetzung mit Inhalten und sich selbst, ist kaum Platz in drei Jahren Bachelorstudium inklusive Auslandsaufenthalt.

Weiterer Beweggrund: Schwächen in der Bildungspolitik

Ein weiterer Beweggrund, und hierauf stützt sich auch meine Bildungsphilosophie, ist der, dass Menschen unterschiedlich sind und trotzdem den gleichen Bildungsweg durchschreiten müssen. Die Bologna-Reform und Bildungsstandards dienen dazu, Leistungen sichtbar zu machen. Die Länder wollen zeigen können, wie schlau alle ihre Schülerinnen und Schüler sind (besser gesagt, wie gut sie daraufhin trainiert werden, die Prüfungsfragen richtig zu beantworten). Doch wem dient das? Bestimmt nicht der einzelnen Schülerin oder dem einzelnen Schüler. Wie, angeblich, Albert Einstein gesagt hat, ist doch jeder ein Genie. Denn man kann eben keinen Fisch danach hin beurteilen, wie er einen Baum hochklettert. Doch dies entspricht leider der Schulrealität.

Gedankenaustausch

Kurz, dieser Blog dient dem Austausch von Gedanken zum (Lehramts-)studium, dem Lehrersein und dem Thema Bildung an sich. Gleichzeitig dient es mir persönlich dazu, meinem und unserem kritischem Denken Raum zu geben, neue Impulse zu senden und zu erhalten, Gedanken zu verarbeiten und zu wachsen. Bildung ein wenig zu wechseln.

Jedem möchte ich ans Herz legen, diesen Artikel zu lesen:

Kruse, Otto (2010): Kritisches Denken im Zeichen Bolognas: Rhetorik und Realität. In: Ulrike Eberhardt (Hrsg.): Neue Impulse in der Hochschuldidaktik. S. 45-80.

Bitte nicht falsch verstehen, es gibt viele Dinge, die toll sind an der Uni, wie z.B. lustige und vor allem kluge Dozenten, von denen man sehr viel lernen kann, doch der Mensch neigt ja dazu, darüber zu schimpfen, was noch nicht so gut läuft. Natürlich dient dieser Raum auch dazu neue Methoden, Erfolgserlebnisse und positive Gedanken zu verbreiten.

 

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