Teaching Assistant in den USA: Stundenplan, Technik und die Genderfrage

Alina ist jetzt schon seit einigen Monaten als Teaching Assistant in den USA und ist mittlerweile gut an ihrer Schule in Nebraska angekommen. Als assistierende Lehrkraft unterstützt sie den Unterricht, insbesondere den Deutschunterricht, und hat hierbei schon einige Unterschiede zum Unterrichten in Deutschland festgestellt. Heute berichtet sie über den Stundenplan, die Relevanz der Technik an Ihrer Schule und über den Umgang mit dem Thema Gender.

An den Stundenplan musste ich mich erst gewöhnen. Die Schüler_innen haben keine Pausen, nur passing periods von vier Minuten zwischen den Stunden und eine Lunchpause. Das war’s. Es gibt keinen Schulhof, keine Draußen-Pausen, nichts. Außerdem gibt es keine Doppelstunden, sondern nur Einzelstunden und der Stundenplan ist jeden Tag gleich, zum Beispiel: erste Stunde Mathe, zweite Stunde Deutsch, dritte Stunde Science, vierte Stunde Sport, danach Lunch, Kunst, Weltreligionen, Englisch – und das jeden Tag in der gleichen Reihenfolge. Manche Schüler_innen sind bereits um 06:30 Uhr in der Schule, um an bestimmten Aktivitäten teilzunehmen, wie etwa Sport, Clubs oder Musik.

Auffällig ist auch die Technik-Orientierung der Schule, an der ich bin, und die Technikversiertheit der Schüler_innen. Jeder Klassenraum ist mit einem eigenen Beamer und einem Smartboard ausgestattet, normale Kreidetafeln gibt es gar nicht. Zudem hat jede/r Schüler_in ein MacBook, das gegen Pfand von der Schule gestellt wird. Von mir wurde auch erwartet, ein MacBook mitzubringen – eine Kleinigkeit (danke an meinen Verlobten für die Dauerleihgabe!).

Ich erlebte auch schon einen kleinen Kulturschock während des Unterrichtens. Eines Tages unterrichtete ich die siebte Klasse zum Thema Tiere. Ich zeigte ein Bild von einem Affenweibchen, das ein Affenbaby trug: „Look, it’s a monkey-mama!“, sagte ich begeistert. Die Schüler_innen schauten mich entsetzt an und fragten „Did you just assume a gender??“ Ich war verwirrt über das Entsetzen der Schüler_innen, da es für mich ganz logisch war, anzunehmen, dass da ein Affenweibchen sein Kind trug, bis mich meine Mentorin aufklärte, dass es nicht erwünscht sei, Geschlechter anzunehmen, auch nicht bei Tieren, da die Affenmama sich als Mann oder als geschlechtsunzugehörig fühlen könnte. Dies überraschte mich doch sehr, doch ich realisierte auch, dass insbesondere im öffentlichen Schulsystem die Autoritäten sehr kleinlich in Bezug auf solche Dinge sind. Daran muss man sich gewöhnen, wenn man hier unterrichtet, aber man geht ja ins Ausland, um andere Sichtweisen kennenzulernen, selbst wenn diese oft zunächst befremdlich wirken, nicht wahr? Entmutigen tut mich das nicht. Ich bin gespannt, welche Unterschiede ich noch so mit der Zeit wahrnehmen werde.

 

 

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