Interkulturelle Pädagogik und Inklusion

Der Begriff „Interkulturelle Pädagogik“ bezeichnet einen pädagogischen Ansatz, dessen Ziel es ist, das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Herkünften zu fördern.  Zunächst eingeführt als „Ausländerpädagogik“, weitergeführt als klassische „Interkulturelle Pädagogik“ oder „Antirassistischen Pädagogik“, wird sie schließlich in den 90er Jahren als „Interkulturelle Kommunikation“ bezeichnet. 

Interkulturelle Pädagogik versucht Missverständnisse und Vorurteile aufzudecken und Diskrepanzen, die zur Ausgrenzung und Diskriminierungen von Individuen innerhalb einer Gesellschaft führen können, aufzufangen. Sie setzt dabei voraus, dass diskriminierende Haltungen gegenüber Fremden, anderen Nationen oder Geschlechtern, reflektiert werden. Demnach setzt sich die interkulturelle Pädagogik mit mehr als  unterschiedlichen ethnischen Kulturen auseinander.

Im Rahmen der „Ausländerpolitik“sprach man von Kindern mit Migrationshintergrund als Kinder mit Defiziten. Die Interkulturelle Pädagogik beschreibt das Phänomen nun mit dem Begriff „Differenzen“. Wohingegen in den 60er Jahren man noch von „Abweichungen von der Norm“ gesprochen hat, schätzt man heute die interkulturelle Kompetenz der Kinder und Jugendlichen. Varianz wird nun nicht mehr verurteilt, sondern als Potential und Teil der Kultur betrachtet. Aus diesem Grund wird im Ansatz der interkulturellen Pädagogik die Identität der Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt gestellt. In direkten Begegnungen versuchen Pädagogen die Individuen zu verstehen, um sie bei der Integration in die Gesellschaft zu unterstützen. Zuvor beschränkten sich Ansätze wie der der „Ausländerpädagogik“ auf die Sprachfertigkeiten der Kinder und Jugendlichen.  Man forderte ihre Anpassung an die Umgebung voranging durch den Erwerb der deutschen Sprache.

Andreas Hinz definiert im „Handlexikon der Behindertenpädagogik“ (2006) den Ansatz der Inklusion als „…allgemeinpädagogische[n] Ansatz, der auf der Basis von Bürgerrechten argumentiert, sich gegen jede gesellschaftliche Marginalisierung wendet und somit allen Menschen das gleiche volle Recht auf individuelle Entwicklung und soziale Teilhabe ungeachtet ihrer persönlichen Unterstützungsbedürfnisse zugesichert sehen will. Für den Bildungsbereich bedeutet dies einen uneingeschränkten Zugang und die unbedingte Zugehörigkeit zu allgemeinen Kindergärten und Schulen des sozialen Umfeldes, die vor der Aufgabe stehen, den individuellen Bedürfnissen aller zu entsprechen – und damit wird dem Verständnis der Inklusion entsprechend jeder Mensch als selbstverständliches Mitglied der Gemeinschaft anerkannt.“ Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nach Hinz jedes Individuum ein Recht auf Sozialität hat. Inklusion entspricht hierbei der Umsetzung dieses Rechts.

Da nach dem Inklusionsbegriff die Eingliederung von Kindern und Jugendlichen gefordert wird, die in irgendeiner Hinsicht von der „Norm abweichen“ und auch die Interkulturelle Pädagogik „Differenzen“ einzugliedern versucht, bestehen sehr wohl Analogien in den beiden Ansätzen. Die Interkulturelle Pädagogik befasst sich mit den Migrationshintergründen und verschiedenen Kulturen, während der Inklusionsbegriff auf die Eingliederung von Kindern und Jugendlichen abzielt, denen eine Behinderung zugeschrieben worden ist. Beide Ansätze stellen den Menschen in eine Position, in der er „als selbstverständliches Mitglied der Gesellschaft anerkannt“ wird (Hinz).

1 Comment

  1. Student

    Tolle Zusammenfassung, vielen Dank!

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