Inklusion. Schwer von Begriff?!

Zugegebenermaßen entwickelte sich dieser Begriff dank des medialen Einflusses zu einem schier inflationär gebrauchten Ausdruck, der insbesondere im Bildungskontext all zu gerne verwendet wird, sodass sich die Konzepte gleich als moderner verkaufen lassen. Nun denn sollte man meinen, dass daher zumindest bei Menschen, die sich mit Bildung täglich auseinandersetzen, Klarheit über das damit beschriebene Konzept der Inklusion besteht. Angehende Lehrerinnen und Lehrer jedoch präsentieren sich hierbei leider nur mäßig als Vorreiter. „Das ist doch das, wenn Behinderte mit Normalen und Leistungsschwachen unterrichtet werden“. Bei dieser abenteuerlichen Interpretation handelt es sich leider um ein echtes Zitat aus einem Fachdidaktikseminar im Masterstudiengang einer deutschen Universität. Dies veranlasste mich dazu diesen kleinen Beitrag zu verfassen und diesen Versuch zu wagen diesen Begriff zu skizzieren. Hierzu grenze ich es mal von der Integration ab, damit es deutlicher wird. Unter Integration versteht man den Prozess der Anpassung einer Gruppe an die Normen einer Grundgesamtheit mit dem Ziel der Eingliederung in dieses bestehende System. Die Anderen sollen an den Standard angepasst werden. Es bestehen also weiterhin zwei verschiedene Gruppen: die Anderen und die Normalen. Bei der Definition des Konzepts der Inklusion jedoch, verschwinden sofort die Begriffe. Es existiert keine als normal geltende Norm, sodass demnach auch keine Einheit außerhalb dieser Gruppe besteht. Daher gibt es keine Anderen und auch keine Normalen mehr. Es gibt nur noch eine Gemeinschaft, die aus vielen Individuen besteht. Im Kontext der Schule bedeutet dies, dass heterogene Lerngruppe entstehen, die es mittels des individuellen Lernens zu unterrichten gilt. Hierzu besteht der Anspruch in der Konzeption differenzierter Lernimpulse.

Viele reagieren hierauf mit Entsetzen, da es für Lehrkräfte doch unmöglich sei für alle individuell die Materialien zusammenzustellen und am Ende auch noch die Leistung gemäß der Gauß’schen Normalverteilung zu bewerten. Hier scheint das Konzept des Ganzen vom jeweiligen Individuum leider nur unzureichend verstanden worden zu sein. Inklusion als Utopie darstellen zu wollen, zeigt lediglich die berechtigte Verunsicherung und Angst, die dieser Begriff bei vielen Studenten auszulösen scheint, stecken diese doch während des Studiums selbst noch innerhalb des starren und leistungsorientierten Bachelorsystem fest. Aber traut euch doch bitte dennoch frei zu denken und wagt trotz hoher Belastung mal den Blick über den durch die Kolloquien begrenzten Tellerrand: Der Begriff der Inklusion ist eine Neuerscheinung innerhalb des Kontexts der deutschen Regelschulen- nicht aber im Bereich der Reformschulen. Die traditionelle Montessori Methode zum Beispiel basiert auf dem Konzept der Inklusion, ohne dass dieser Begriff jemals thematisiert wurde und siehe da: es ist möglich! Was allerdings utopisch scheint ist die Integration der Inklusion in das traditionelle Regelschulsystem. Dies scheint schon von der Formulierung her paradox.

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