Der Bildungsauftrag- Forderung zur Förderung

Bereits im §1 des Schulgesetzes (SchulG) ist festgehalten, dass der Auftrag der Schulen darin bestehe, in der Umsetzung des Rechtes eines/ jeden Schülers auf die Förderung der Anlagen sowie der Erweiterung der Fähigkeiten einzugehen.Ausführende Instanz sind neben den rahmenschaffenden Organen der Politik in erster Linie die Lehrkräfte. Aber wie sich dieses Forderung im Einzelnen gestaltet, obliegt der Interpretation der jeweiligen Lehrperson, die sich dabei gleichwohl an die jeweilige Schulkultur halten sollte sowie stets die zu erarbeitenden Themenfelder des Lehrplans zu beachten und in höheren Jahrgangsstufen ebenfalls das Leistungsniveau der Gruppe angesichts des sich näheren Abiturs anzupassen hat.

Es wird schnell deutlich, dass sich die individuelle Förderung in dem Wust etwaiger einzuhaltenden Forderungen zu verlieren vermag, obgleich unser Schulgesetz damit einleitet. Dennoch erscheinen all diese Richtlinien durchaus sinnvoll zur Annäherung an die Vergleichbarkeit und Herstellung der Chancengleichheit- zumindest was die inhaltlichen Aspekte des schulischen Unterrichts betrifft. Der individuelle Schüler soll demzufolge also „nebenbei“ noch in seinen Fähigkeiten bestärkt werden und Gelegenheiten erhalten, seine Anlagen zu verfeinern. Bei mehr als vier Klassen in einem Halbjahr, die aus 25 oder mehr Schülern bestehen, und Kursen, die zwei bis dreimal in der Woche 45 Minuten andauern, erscheint diese anzustrebende Forderung schier überwältigend oder gar als eine „Über-Forderung“ im Forderungs-Kanon. Aber gerade dieses „über“ in der Forderung macht den Reiz dieses Berufes aus. Ja, Schule soll bilden. Die Fächer sind festgelegt und bieten im Rahmen ihres Kontexts verschiedene Perspektiven auf unsere Welt und fördern diese immanent in ihrer Verworrenheit zu erfassen. Sie bieten Impulse dazu, die eigene Sichtweise mal zu ändern und Fremdhandlungen nachzuvollziehen und schließlich differenzierter zu bewerten.
Aber, scheint dadurch §1 des SchulG bereits erfüllt? Oder wird in diesem Gesetzessatz nicht vielmehr auf Persönlichkeitsarbeit verwiesen? Dies würde wiederum bedeuten, dass die Schülerpersönlichkeit mehr im Fokus stehen müsste und nicht mehr der Fachinhalt. Dann sollte das Fach die inhaltliche Plattform darstellen, aus dem man einzelne Aspekte zur gezielten Förderung einer jener herausstechenden Fähigkeit eines Schülers auswählt und diese auf eine ihm angepasste methodische Weise mit ihm erarbeitet. Aber müsste dann nicht die Lehrkraft selbst die Themen bestimmen können und nicht der Lehrplan? Oder vielmehr sollten dann Schülerinnen und Schüler ihre zu wünschenden fachlichen Inhalte bestimmen sollen und Mitspracherecht erhalten, wenn es schließlich um die weitere Entwicklung ihrer Fähigkeiten geht? Und, müssten sich Klassen dann nicht praktischer Weise aus Schülern mit ähnlichen Persönlichkeitsmerkmalen zusammensetzen, damit nicht Einzelunterricht in der Klasse stattfindet?
Es wird deutlich, so klar sich dieser erste Satz des Schulgesetzes auch lesen mag, bei genauerer Betrachtung bietet dieser ein Meer an Denkanlässen und birgt das Potential, dass man sich schnell in einem Strudel von An- und Forderungen verliert, der einen schließlich runter bis zum Grund ziehen kann. Hierbei muss man sich letztlich wieder die Frage stellen: Passt die Grundorganisationsstruktur unseres Bildungssystems überhaupt noch mit unseren Ansprüchen, Forderungen, Möglichkeiten und Wünschen zusammen?

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